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Mengerskirchen zur FAIR TRADE-Gemeinde ernannt

Am Palmsonntag wurde im Rahmen des Fastenessens des Vereins „Eine Welt für Alle“ der Gemeinde Mengerskirchen die Urkunde „Mengerskirchen ist Fair Trade-Gemeinde“ im „Bürgerhaus Schloss“ feierlich übergeben. Das traditionelle Fastenessen bildete einen festlichen Rahmen für die Zeremonie und war entsprechend gut besucht. Ausgehändigt wurde die Urkunde vom Ehrenbotschafter der Fair Trade-City-Organisation Deutschland, Manfred Holz, an Bürgermeister Thomas Scholz und die Steuerungsgruppe der Fair Trade-Aktion, die unter der Führung von Herbert Schuld stand.
Ehrenbotschafter Manfred Holz gratulierte der Gemeinde zu so viel Initiative und Einsatzbereitschaft. Die Vorgaben seiner Organisation mit drei Einzelhandelsgeschäften und zwei Restaurants für einen Ort dieser Größenordnung seien weit überschritten. Besonders die große Beteiligung von Gastronomiebetrieben habe ihn beeindruckt, sei dies doch selbst in größeren Städten immer ein Problem. Aber auch die umfangreiche Berichterstattung im Rahmen der Aktion in der Presse bezeichnete er als herausragend.
Über den speziellen Anlass in Mengerskirchen hinaus stellte er einerseits die Fair Trade- Bewegung in den Zusammenhang der generellen prekären Situation unseres Planeten an der Schwelle ins dritte Jahrtausend. Naturzerstörung, das Elend von 50 Millionen Flüchtlingen, Jugend ohne Perspektive, Hungersnöte und der Zerfall von ganzen Staaten, das alles entstehe auch durch eine ungerechte Weltwirtschaftsordnung. „Eine Milliarde Menschen auf der Welt kämpfen gegen Übergewicht und eine Milliarde hat nicht genug zu essen“, dies ist für ihn eine treffendes Beispiel für die Widersprüche, die wir auflösen müssen, wenn wir unsere Glaubwürdigkeit behalten wollen.
Andererseits machte er mit einem Blick auf die Geschichte der Fair Trade-Bewegung Mut zu nachhaltigem Engagement. Aus bescheidenen Anfängen sei eine „Marke“ entstanden, die es mit einem Bekanntheitsgrad von 98 % mit jedem Markenartikel aufnehmen könne. Allerdings sei bei einem Marktanteil von z.B. 3 % bei Kaffee noch viel Platz nach oben und mit einem Durchschnittsumsatz im Jahr von 8 € pro Bundesbürger ebenfalls, verglichen z.B. mit einem Prokopfumsatz von 25 € in Holland und England oder gar 50 € in der Schweiz. Deutschland ist mit einer Wachstumsrate von 23 % aber der dynamischste Fair Trade-Markt der Welt und jede Initiative, wie jetzt hier vor Ort, bringe diese große internationale Bewegung weiter voran.
„Mengerskirchen spielt ab heute in der Champions League, zusammen mit London, Manchester, Rom, Paris, Madrid und München“, rief er aus. „Sie können stolz sein auf das Engagement in ihrer Gemeinde!“
Darauf verwies auch Bürgermeister Thomas Scholz in seiner Begrüßung. Über 20 Institutionen in der Gemeinde, die er alle namentlich aufzählte, seien schon mit dabei. Das erfülle ihn mit Stolz, genauso wie die Tatsache, dass Mengerskirchen die erste kleinere Gemeinde, nach Limburg, Weilburg und Bad Camberg, sei, die sich als Fair Trade-Kommune qualifiziert habe.
Der Leiter der Steuerungsgruppe Herbert Schuld dankte allen, die so zahlreich gekommen waren, um diesen Anlass zusammen mit der Steuerungsgruppe und dem Verein „Eine Welt für Alle“ zu feiern. Besonders begrüßte er die Migranten aus den Gemeinschaftsunterkünften der Gemeinde, wobei ihn Kazem Al Bayati unterstützte, der die Grußworte in die Muttersprache einiger Gäste übersetzte.
„Ich brauche diese Gäste erst gar nicht zu fragen, ob sie nicht lieber in ihrer Heimat wären, wenn sie dort eine Existenzgrundlage hätten“, sagte er und fügte hinzu: „Fair Trade ist der Königsweg dazu!“ Er sage immer wieder: „Mit dem Einkaufswagen können wir alle viel gegen die Armutswanderungsbewegungen tun“.
Frau Schmidt-Eule von der Missionszentrale der Franziskaner gab einen Bericht über den Stand der vom Verein „Eine Welt für Alle“ in 2014 finanzierten Projekte in Afrika. Die beiden Maßnahmen, Nähstube und Kleintierzucht einer Fraueninitiative in Sambia und ein Brunnenprojekt in Malawi, kommen gut voran. Frau Schmidt-Eule überbrachte den Dank der geförderten Gruppen.
Der Erste Kreisbeigeordnete Helmut Jung überbrachte die Grüße des Landkreises. Mengerskirchen sei ein Beispiel, das auch in der Diskussion zum Start der Bewerbung von Limburg/Weilburg als Fair Trade-Kreis hilfreich war. Gleichzeitig bedankte er sich für die Warmherzigkeit, mit der die Migranten in den verschiedenen Ortsteilen der Gemeinde aufgenommen worden seien.
Ortsvorsteherin Juliana Loch stellte die unermüdliche Arbeit von Herbert Schuld heraus, ohne dessen Engagement die Fair Trade-Aktion in Mengerskirchen sich nicht hätte entwickeln können.
Höhepunkt des Fastenessens mit der Urkundenüberreichung war wieder der Gottesdienst im Bürgersaal des Schlosses. Gleich fünf Geistliche zelebrierten den Gottesdienst und drückten damit ihre Verbundenheit zum Verein „Eine Welt für Alle“ aus. Pater Claudius Groß war eigens von der Missionszentrale der Franziskaner in Bad Godesberg angereist. Pfarrer Walter Henkes wurde außerdem assistiert von Pfarrer Braun, Pfarrer Albert Keller, einem langjährigen Mitglied des Vereins und Pfarrer Herbert Leuninger, der eine fulminante Predigt hielt, die sich auch an der Kapitalismuskritik von Papst Franziskus orientierte.
Herbert Schuld, als Vorsitzender des Vereins „Eine Welt für Alle“, bedankte sich auch ganz besonders bei dem Chor „Intermezzo“ unter der Leitung von Bernd Eckerth, der diesen Gottesdienst seit Jahren verschönert sowie Paul Schermuly als Organisator des Gottesdienstes und den jugendlichen Lektoren. „Setzen wir der Parole „Geiz ist geil“ hier in Mengerskirchen ein „think big“, „denke groß“ entgegen, eine Kultur der Einsicht und des Miteinander“, war sein Aufruf am Ende einer sehr beeindruckenden Veranstaltung.

Titelbild Fair Trade 41eec

Die Mitglieder der Steuerungsgruppe freuen sich mit Pater Claudius Groß (2.v.l.), Frau Schmidt-Eule von der Missionszentrale der Franziskaner (6.v.l.), Manfred Holz, Ehrenbotschafter der Fair Trade-City-Aktion (7.v.l.) und 1. Kreisbeigeordneter Helmut Jung (8.v.l.) über die Verleihung der Urkunde „Mengerskirchen ist Fair Trade-Gemeinde“.

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Ehrenbotschafter Manfred Holz überreichte Bürgermeister Thomas Scholz und
Herbert Schuld die Urkunde für Mengerskirchen als „Fair Trade-Gemeinde“.

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So eine gute Suppe hat Andreas Bendel seit langer Zeit nicht mehr
gegessen.

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Bei der Begrüßung zum Fastenessen fungierten Kazem Al Bayati und
ein albanischer Migrant als Übersetzer.

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Die Pfarrer Herbert Leuninger, Albert Keller, Walter Henkes, Dieter
Braun und Franziskanerpater Claudius Groß zelebrierten gemeinsam
den Gottesdienst beim Fastenessen.